Kölner Rundschau

 Dalia Schaechters Liederabend "Fremde unter Fremden"

VON BARBRO SCHUCHARDT KÖLN. Was für eine schöne Idee! Eine israelische Opernsängerin trifft sich mit Menschen aus 16 Ländern, um sich von ihnen Lieder aus ihrer Heimat "schenken" zu lassen. Die studiert Dalia Schaechter mit deren Hilfe phonetisch ein und gestaltet damit unter dem Titel "Fremde unter Fremden" einen wunderbaren Liederabend im Staatenhaus - Musik als Völker verständigende Universalsprache.

Die "Schenker" standen dabei nicht mit auf der Bühne, waren aber dennoch gleich zweifach präsent: live im Zuschauerraum und bildlich in den Videos, die die Wienerin Valerie Schaller von den Begegnungen Schaechters mit den Zugewanderten gedreht hat - berührende, sehr persönliche Momentaufnahmen im privaten Umfeld von Küche und Wohnzimmer.

Die Mezzosopranistin ist seit Langem bekannt für ihre Exkursionen in die "kleine Form", zuletzt hatte sie 2014 im "Blauen Zelt" ihren Fernweh-Abend "Lieder und Lidele" präsentiert. Als "emotional und unpolitisch" untertitelt sie das neue Programm, bei dem ihr wie gewohnt der Schauspieler und Sänger Bert Oberdorfer, Pianist Jan Weigelt und Gerhard Dierig (Bratsche) hoch motiviert zur Seite stehen, ergänzt vom Gitarristen Lajos Tarr.

Viele "Zungenbrecher" hatte Dalia Schaechter bei den Texten zu bewältigen, etwa mit Bettza, der Quechua-Indianerin aus Peru, oder der Brasilianerin Marcia, die ihr einen Bossa Nova schenkte ("Ich hätte nie gedacht, dass Portugiesisch so schwierig ist!") - Scheitern inbegriffen wie beim Lied des irakischen Kurden Shamal ("es ging einfach nicht!").

Dagegen klappte es überraschend gut bei den schlichten Weisen von Jin-Young (Südkorea) und der Syrerin Reem, die sie ebenso wie den Nordiraker Hamid im Flüchtlingslager kennenlernte - ergreifende Begegnungen.

Auch Prominente gaben sich die Ehre: Seit 50 Jahren lebt der slowakische Pantomime Milan Sladek in Köln, der ein altes Auswanderer-Klagelied beisteuerte. Mit ihrer amerikanischen Kollegin Andrea Andonian, langjähriges Ensemblemitglied der Kölner Oper, übte Dalia Schaechter John Denvers "Leaving on a Jet Plane" im Duett ein. Und absolvierte sogar beim Kontrabassisten Johannes Eßer vom Gürzenich-Orchester mit Jupp Schmitz' "Ming herrlich Kölle" einen Schnellkurs in "Kölsch als Fremdsprache"!

Zum Finale im bunten Scheinwerferlicht sorgte der Gitarrist David aus Kamerun mit allen Ensemblemitgliedern für fast karibisches Flair, das die Zuschauer nicht auf den Stühlen hielt. Der Saal tanzte. Pure Lebensfreude als Sieg über die oft bedrückenden Liedmotive von Flucht und Angst, Heimweh und verlorener Liebe, die dieses großartige Projekt grundierten.

2 ½ Stunden mit Pause. Wieder am 21. und 22. Juni, 19.30 Uhr. Staatenhaus, Rheinparkweg 1. Karten-Tel. (0221) 221/28400